Das MONUMENT VALLEY eröffnet mehrjährige, künstlerische Geschichtswerkstätten, die experimentelle Formen des Reflektierens erproben und Brücken zu gesellschaftlicher Verantwortung, solidarischem und empathischem Handeln bauen.

In Berlin treffen Menschen aus der ganzen Welt zusammen, sie leben in einem Häusermeer, das sich auf einer hauchdünnen Membran über den Geschichten des Kriegs, des Kolonialismus, der Wanderbewegungen und Revolutionen ausbreitet. Unsere Stadt ist ein großer Bauch voller materieller Zeugnisse und Geschichten, die es zu bergen und in ihrer Bedeutung zu reflektieren gilt.

Die S27 – Kunst und Bildung setzt gemeinsam mit dem Stadtmuseum und der StreetUniverCity archäologische und künstlerische Expeditionen mit Jugendlichen um. Die Trümmer und Spuren der Vergangenheit werden zu Schlüsseln, die jungen Menschen aus verschiedenen Szenen und Communities über haptische Experimente und ästhetische Prozesse erlauben, sich in vergangene Ereignisse einzudenken und Erinnerungskultur eine konkrete Form zu geben. Junge Menschen erleben ihr eigenes Aktivwerden und Entdecken als relevanten gesellschaftlichen Beitrag, der in Erkenntnis und Engagement mündet. Obwohl sie viele Ereignisse nicht selber erlebt haben, braucht Gesellschaft dringend ihre Perspektiven, um geschichtliches Reflektieren mit Handeln für die Zukunft zu verbinden.

Für das erste Projektjahr stehen zwei zu kreierende MONUMENTE auf dem Plan:

PUSHBACK PRODUCTION

In unserer Kampagne PUSHBACK PRODUCTIONS fokussieren wir auf die postkoloniale Gegenwart Deutschlands und einhergehende neokoloniale Praktiken. Am Beispiel des globalen Textilhandels wird ersichtlich, dass sich Waren freier bewegen als Menschen: Textilien werden bereits im Produktionsprozess etliche Male verschickt, bevor sie auf den europäischen Markt gelangen und schließlich in unseren Kleiderschränken landen. Entsorgen wir sie anschließend in Altkleidercontainern, bestenfalls in karitativer Absicht, so wird ein Großteil davon in Länder des Südens verschifft, wo die Kleiderladungen existenzielle Nöte unter Textilproduzent*innen und Händler*innen verursachen.

Europa sendet in riesigen Mengen Altkleidung (Ab-Fall) nach Afrika, gleichzeitig werden Pushbacks von Flüchtlingsbooten auf dem Mittelmeer organisiert.

Wir wollen auf die soziale und politische Dimension von Produktion und Konsumtion aufmerksam machen und dabei politische und soziale Implikationen von Migration beleuchten. Mit Partnern im Benin, in Kenia und Kamerun drehen wir die Rollen versuchsweise um und organisieren Pushbacks von europäischem Abfall, zurück nach Europa. Als Kern unserer kreativen Kampagne haben wir eine halbe Tonne Altkleider, die zuvor aus Europa nach Afrika verschifft wurde, in den drei Ländern abgefangen, neu verpackt und nach Berlin zurückgeschickt. Re-Import: Wir treiben damit die Absurdität des Systems eine Umdrehung weiter und schaffen ein konkretes Bild, spiegelverkehrt und auf den Kopf gestellt, wie sich ausbeuterische Kolonialstrukturen bis heute buchstäblich über Wasser halten.

Geplant ist ein Pop-Up Store mit Archivcharakter.

UM/BAUMARKT
Aus geborgenen Trümmerbergmaterialien vom Teufelsberg, Fundstücke einer großen Ausgrabung am Molkenmarkt, Leihgaben des Stadtmuseums und heutigem „Abraum“ und Recyclingmaterial wächst im Haus der Statistik „ZACK | der UMBAUMARKT“. Bei der Installation verschmelzen Upcycling und Erinnerungskultur zum interaktiven Umbaumarkt. Am 14.11.2019 feierten wir die Eröffnung. Eine Vielzahl engagierter Besucher*innen hat fleißig gegraben, Objekte arrangiert, und eigene Stadtperspektiven, Assoziationen und (Eigen- )Sinn in die Ausstellung gebracht. Anhand eines Nebeneinanders von Trümmern, Recyclingmaterialien und unterfüttert von Exponaten des Stadtmuseums, die eindrücklich die Umnutzung von Kriegsgerät zu Alltagsgegenständen in den 50er Jahren vor Augen führen, wurden im Rahmen von zwei Ausstellungswochen und einem umfangreichen Rahmenprogramm Kontinuitäten und Brüche von Stadt/Geschichte am Material wahrnehmbar gemacht und reflektiert. ZACK | der Umbaumarkt geriet zudem zu einem gelungenen Auftakt für das im Haus der Statistik entstehende „Haus der Materialisierung“. Bislang in der Stadt verstreute Akteure werden hier gemeinsam ganz konkrete Lösungen für die Wiederverwertung von noch nutzbarem Material entwickeln.

Pressestimmen:

»Pioniere kochen, feiern und recyceln schon während der Sanierung«, Ralf Schönball, Der Tagesspiegel

»Alexanderplatz : In das Haus der Statistik kehrt Leben zurück«, Gerhard Lehrke, Berliner Zeitung

»Haus der Statistik am Alexanderplatz. Eine revolutionäre Zelle«, Susanne Messmer, taz

»Vom Koma zum Ko-Markt – Pioniernutzer beleben das Haus der Statistik in der Sanierungs- und Bauphase«, Nicolas Šustr, neues deutschland

»Haus der Statistik. Die Pioniere sind schon da«, Gerhard Lehrke, Berliner Kurier

Berlins alte Mitte: Die archäologischen Ausgrabungen am Berliner Molkenmarkt waren nicht nur ein wichtiger Materialspender für ZACK – der Umbaumarkt. Einige unserer Trainees sind hier als Grabungshelfer tätig! Fotos: Luisa Durrer, Luis Krummenacher
ZACK | der Umbaumarkt: Teufelsberg und Haus der Statistik, Trümmer und Recycling, Baumarkt und Museum, Arrangieren und Reflektieren, Material und Erfahrung. Fotos: Luis Krummenacher, Abdallah Haj Ali, Aris Kress-Kallidromitis
Die ersten Ideen und Kampagnen für »ZACK | der Umbaumarkt« mit Teilnehmern unserer Bildungsmanufaktur. Fotos: Aris Kress-Kallidromitis

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Foto: Aris Kress-Kallidromitis & Luis Krummenacher