»Ƙarfi« ist hausa und steht für Stärke, Kraft und Empowerment. Mit den Mitteln der Kunst werfen wir einen kritischen, dekolonialen Blick auf die Gesellschaft, die Welt und konkrete Lebensrealitäten, die wir verändern wollen.
DEKOLONIAL UND ANTIRASSISTISCH
So setzen wir uns auseinander mit Benachteiligung und Rassismus, die wir selbst erfahren haben und mit kolonialen Kontinuitäten (Straßen, Plätze, Erinnerungsorte), die uns täglich umgeben – in unserem Ladenlokal in der Schlesischen Straße 10/11 entwickeln und gestalten wir unsere künstlerischen Interventionen:
DOMESTIC AFFAIRS
2023 machten wir unser Ladengeschäft in der Schlesischen Str. 10/11 zu einem ganz speziellen Forschungslabor. „Domestic Affairs“ steht dabei für einen breiten konzeptionellen Fokus, der sich nicht nur auf physische Räume und Inventar beschränkt, sondern das Heimische in Bezug setzt zu Geschichte und Kolonialgeschichte, Politik, Ritualen und Emotionen.
Unser Nachbar ist der Antiquitätenhändler Aatik – was passiert, wenn wir den Gebrauchswert der Dinge entfernen?
Getrödelte Möbel und anderes Sammelgut funktionierten wir in einem zweiten Experiment um in eine Flotte von „Teppichrollern“, lebendige Up-Cycling Skulpturen, neben denen die zunehmend zum Elektroschrott tendierenden E-Scooter in der Stadt alt aussehen.
So sollte auch die Statik des Teppichs in Bewegung geraten, dafür wurden Imitationen von Orientteppichen aus den „Deutschen Werkstätten“ der DDR und dem westdeutschen Möbelmarkt der 70er Jahre auseinandergeschnitten und in anspruchsvoller Handarbeit zum Schuhwerk umgenäht. Die avantgardistischen Pantoletten irritieren – sie vertauschten sofort die Qualitäten von Statik und Bewegung; was sonst liegt und beständig erscheint, läuft plötzlich davon… ein Zeichen der Zeit?
Zum Download
Fotos: Luis Krummenacher, Philip Crawford
DOMESTIC AFFAIRS. Ein Projekt von Studio Karfi, finanziert von der Senatsverwaltung für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt.
WAKE UP & LIVE (2022)
Regelmäßig treffen in afrikanischen Heimathäfen große Frachtladungen an Alttextilien aus Europa ein. Aus dem Benin und aus Kenia holten wir Textilmüllballen zurück, um aus den reimportierten Klamotten eigene und eigenwillige textile Statement zu entwickeln.
Für unsere Pyjama Collection haben wir uns jedoch für bunt gemusterte Waxstoffe, sogenannte “afrikanische Stoffe”, entschieden.
Jede und jeder kennt sie – oder doch nicht so ganz?
Ein Blick nach Ghana eröffnet allerdings auch eine andere Leseweise von Waxstoffen, denn durchaus haben afrikanische Produzent*innen mit speziellen Aufträgen für Sujets und Musterung bei europäischen Stoffproduzenten ihren politischen Freiheitskampf in die Stoffe eingeschrieben.
Unser Team aus dem Studio Karfi stellt die streitbaren Pyjamas mit den Wax-Prints bei einem Catwalk durch den Görlitzer Park im Zeitfenster der Berliner Fashionweek einer breiten Öffentlichkeit vor. Im zentral gelegenen Kreuzberger Park, der wegen des offensichtlichen Drogenhandels durch die Presse ging, versuchen zahlreiche Geflüchtete, auch aus afrikanischen Ländern, unter schlimmsten Voraussetzungen über den illegalen Drogenverkauf eine minimale Existenz für sich und insbesondere für verarmte Angehörige in Herkunftsländern zu sichern. Eine sehr traurige Konsequenz einer andauernden kolonialen Katastrophe – denn um Existenzgrundlagen zu Hause im globalen Süden zu retten, bedürfte es kompromissloser, sofortiger weitgreifender Welthandelsrevisionen und ein weitgreifendes Arbeitsrecht für Geflüchtete und Migrant*innen. Die Klimakrise wird gewaltige Wanderbewegungen schaffen, es ist gegen die Menschenrechte, die Regulation von Welthandel zu unterlassen und Restriktionen für Flucht und Migration zu verschärfen.
In den Pyjamas von Studio Karfi lässt es sich daher weniger gut schlafen, als für Gerechtigkeit kämpfen.
Buona Notte? Buon Giorno!
THE COLONIAL WAITING ROOM (2021)
In einer ersten Aktion schaffen wir die Installation »The Colonial Waiting Room«. Wir begreifen das Wartezimmer, besonders das uns gut bekannte der deutschen Ausländerbehörden, als kolonialen Raum und laden ein, sich zu denen zu gesellen, die im »Wartezimmer der Geschichte« feststecken. The Decolonial is now.
Fotos: Luis Krummenacher, Marla Gaiser, Marc Waldow
In Kooperation mit:
DOMESTIC AFFAIRS wurde gefördert durch:
Die verschiedenen Kursgruppen der Bildungsmanufaktur werden finanziert durch:
















